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Camino Real: 3. Tag - Den Konquistadoren auf der Spur

Kikeriki, kikeriki, kikeriki – wohlbekannte Geräusche wecken uns auch am 3. Tag unserer Tour. Doch nicht nur Pascals Hähne, zwei nennt er sein eigen, legen sich ins Zeug, uns wach zu machen. Ein hellbrauner Welpe findet unser Zelt höchst interessant und kratzt permanent daran. Obwohl er von dem Zelt weggescheucht wird, findet er immer wieder den Weg zu uns. Pascal muss wohl nochmal in die Hundeschule mit dem kleinen Lümmel. Und nur wenige Meter von uns entfernt freut sich ein grunzendes Schwein auf den anstehenden Tag.

Für uns wird es nun auch Zeit aufzustehen. Es ist 6 Uhr morgens. Für mich als Langschläferin ist das gewöhnungsbedürftig. Brot, Käse und Chorizo „versüßen“ uns den Tagesanfang. „Bitte lächeln!“ Bevor wir Pascal verlassen, bitten wir Molinar, ein Erinnerungsfoto zu schießen.

Die Etappe heute ist wohl temperiert. Weiden und Wiesen sind passé, der Camino Real führt uns am dritten Tag durch den schattenspendenden Regenwald. Ich fühle mich wie Indiana Jones. Wir durchqueren unzählige Flussbetten, steigen im flachen Wasser vorsichtig über moosbewachsene Steine. Wir kraxeln verschlammte Berge hoch, waten durch tiefen Matsch, steigen über Stock und Stein, schlängeln uns auf glitschigen, engen Pfaden entlang. Für passionierte Wanderer ein Traum, für mich, für die Sport ein Fremdwort ist, eine körperliche Herausforderung.

Molinar geht furchtlos voran. Mit einer Machete kämpft er für uns den Weg frei, falls Schlingpflanzen und Äste diesen unpassierbar machen. Er hält auch Augen und Ohren offen, falls gefährliche Tiere unseren Weg kreuzen sollten. Eugenio ist der Letzte im Bunde. Er achtet darauf, dass keiner von uns zurückbleibt. Ich würde aus diesem Labyrinth nicht mehr herausfinden. Deshalb arbeitet Christian von „Cultour“ nur mit Einheimischen zusammen, die den Wald wie ihre Westentasche kennen. Der Camino Real ist weder ausgeschildert noch als „klassischer“ Wanderweg erkennbar. Vor vier Jahren wurde zwei Niederländerinnen die Abenteuerlust zum Verhängnis. Sie brachen ohne ortskundige Führerzu einer Dschungelwanderung in der panamaischen Provinz Boquete auf. Monate später wurden nur mehr ihre sterblichen Überreste gefunden. Die genauen Umstände ihres Todes konnten bis heute nicht geklärt werden.

Aber das kann uns Gott sei Dank mit Molinar und Eugenio nicht passieren. Immer wieder bin ich erstaunt, wie sehr sie mit ihrer Umgebung vertraut sind. Sie machen uns auf gut getarnte Tiere aufmerksam, die ich im Leben allein nie gefunden hätte.

Sie schlagen uns Stöcke zurecht, mit denen wir auf dem glitschigen Boden viel besseren Halt haben, reichen uns ihre Hände, um uns bei etwas gefährlicheren Abstiegen zu stützen. Als ich aus Versehen in einen Ameisenhaufen fasse und prompt gestochen werde, lindert Molinar mein Leid mit einem Extraktor, eine Art Saugpumpe gegen Insektenstiche. Wir sind in den besten Händen. Molinar wird sich jedoch in der zweiten Hälfte des Tages noch als kleines Schlitzohr entpuppen.

An einem Teich machen wir unsere erste Rast. Alicia und Irene lassen es sich nicht nehmen und springen gleich in das kristallklare Wasser.

Molinar und Eugenio filtern inzwischen Wasser, denn unsere Vorräte gehen langsam zur Neige. Nach 15 Minuten Rast geht es wieder weiter.

Dann entdecke ich etwas Eigenartiges. Wir passieren Eisenbahnschienen und dann türmt sich auch noch eine alte Eisenbahnbrücke vor uns auf. Wie kommen die denn dahin, frage ich mich.